Streit bewältigen

Zum Streit gehören bekanntlich immer zwei – das besagt zumindest ein altes Sprichwort. Doch obwohl wir uns dieser Redewendung durchaus bewusst sind, fällt es uns nach wie vor schwer unsere eigene Schuld einzusehen und unseren Teil zu einer vernünftigen Streit Schlichtung bzw- Bewältigung beizutragen. Doch wieso ist das so? Und was können wir dagegen tun, um wieder mehr Harmonie in unser Leben zu bringen? 

Streit ist so alt wie die Menschheit selbst 

Ja, so enttäuschend es jetzt auch für den ein oder anderen klingen mag, so ist es jedoch leider die Wahrheit. Streit bzw Konflikte gehören zu unserem Leben dazu und sind, egal wie man es auch drehen und wenden mag nicht komplett vermeidbar. Überall dort, wo Menschen aufeinandertreffen sind Konflikte – früher oder später vorprogrammiert. [1]

Und auch zwischen den unterschiedlichen „Streitsorten“ sollte man hierbei einen Unterschied machen. Konflikte können nämlich von kleinen Unstimmigkeiten bis hin zu gezielten Mobbing reichen. [1] Wobei es im letzteren Fall weit über den „normalen“ Streit hinaus geht und es sich demnach um reine Schikane handelt. 

Somit „benötigt“ man zum streiten mindestens zwei Personen. Natürlich kannst du dich auch einer Wand gegenüberstellen und dann deinen Frust loswerden, indem du ihn laut aussprichst aber das ist nicht das was unter einem „klassischen“ Streit in diesem Sinne gemeint ist. 

Unter einem Streit wird demnach, dass offene Austragen einer Meinungsverschiedenheit zwischen mindestens zwei oder mehr Personen, Gruppen oder Parteien verstanden. [2]

Zudem muss dieser Streit bzw Konflikt nicht zwingen feindselig sein. Jedoch handelt es sich bei einem Streit eher seltener um eine neutrale Diskussion, sondern oftmals eher um eine Diskussion, welche von Emotionalen Elementen geprägt ist. 

„Hört auf zu streiten“!

Unzählige Male wurden wir in unserem Leben mit diesem Satz konfrontiert. Streiten hat in unserer Gesellschaft keinen guten Ruf. Deswegen werden wird auch so erzogen und geben diesen Glauben später auch an unsere Kinder entsprechend weiter. Wie jedoch schon zuvor erläutert wurde, gehören Konflikte zu unserem Leben einfach dazu, weshalb wir uns also trotz dieser Erziehung weiterhin streiten. [3]

Die einen streiten laut und gestikulieren wild herum, die anderen sind eher leise und bedacht. Wiederrum andere fahren komplett aus ihrer Haut heraus, sodass sie auch das ein oder andere Mal einen Gegenstand durch die Gegend werfen und die nächsten gehen der Situation einfach aus dem Weg, indem sie den Ort des Streitens verlassen

Zunächst einmal ermöglicht uns die Situation eines Konflikts, uns selbst, sowie auch andere Menschen besser kennenzulernen, weil wir unsere Gefühle und Interessen innerhalb eines Konfliktes in Worte fassen. [3] 

Jedoch ist es von großer Bedeutung, wie wir unsere eigenen Gefühle und Interessen nach außen tragen, weshalb es einiger Regeln und Methoden bedarf, um konstruktiv – also ohne anderen dabei wehtun zu müssen streiten zu können.

Deine Einstellung 

Natürlich ist es schwer sich mit einem Thema auseinanderzusetzen was in unserer Gesellschaft eher weniger gern besprochen wird. Aber auch hierbei verhält es sich, sowie auch mit vielen anderen Dingen im Leben so, dass man sich nur verbessern kann, indem man gezielt daran arbeitet. 

Demnach besteht der erste Schritt zunächst einmal darin zu verinnerlichen, dass es sich bei Streitereien um völlig menschliche und somit entsprechend natürliche Verhaltensweisen handelt. Konflikte- jeglicher Art sind in unserem Leben unvermeidbar, weshalb es umso wichtiger ist zu lernen, wie man „richtig“ streitet. 

Entstehung von Konflikten und dessen Behebung 

Wenn es zu einem Konflikt kommt, sind Spannungen vorhanden. [3] Wer demnach schon von Anfang an dazu in der Lage ist diese Spannungen rechtzeitig zu spüren, lernt auch entsprechend Konflikte rechtzeitig zu erkennen. Da wir jedoch keine Maschinen sind und somit nicht nur rational, sondern eben auch emotional getrieben sind widmen wir unsere Aufmerksamkeit überwiegend darauf aus, unser großes Verlangen nach Harmonie zu stillen anstatt uns diesen Spannungen zu stellen.

Was im Umkehrschluss dazu führt, dass wir es bevorzugen Konflikte zu leugnen und demnach auch zu beschwichtigen, anstatt sie direkt auszutragen. Das ist oftmals auch die Hauptursache, dafür, warum aus einer klitzekleinen Nichtigkeit ein riesen Sturm auftobt- eben weil sich all unser Ärger, unsere Frust und unser Unverständnis dem anderen gegenüber, über einen viel zu langen Zeitraum immer weiter angestaut hat, bis es eben irgendwann zu viel wurde und es zu einer „Eskalation“ kommt. 

Tipp: Versuche also möglichst schon von Anfang an, sobald du bemerkst, dass dich etwas an dem Verhalten des anderen wirklich stört, es anzusprechen. Natürlich sollten wir unsere Mitmenschen nicht fortlaufend kritisieren, aber wenn es an der anderen Person wirklich Verhaltensweisen gibt, die dich zum Beispiel in deinem Alltag einschränken, weil sie dich verletzten oder dir ein unwohles Gefühl geben, dann solltest du diese auch zu Tage bringen, anstatt sie einfach solange zu ignorieren, bis das Fass bei dir irgendwann zum überlaufen kommt. 

Künstlicher Streit

Es kann jedoch manchmal auch der Fall sein, dass jemand gezielt nach einem Streit „sucht“. Wenn dem so sein sollte, dann ist dieses Verhalten meistens ein Zeichen dafür, dass es dem Betroffenen nicht gut geht oder er sich nicht rechtmäßig behandelt fühlt.  

Es könnte zum Beispiel sein, dass es demjenigen an der nötigen Wertschätzung fehlt, seine Erwartungen nicht mehr erfüllt werden, oder er sich nicht mehr richtig wahrgenommen fühlt. [4]

Tipp: Deswegen solltest du dir bei einem Streit immer die Frage stellen: „Worum geht es hier gerade eigentlich wirklich“? Geht es gerade um ein wirkliches Problem oder nur um einen Vorgeschobenen „Platzhalter“ für etwas ganz anderes. Sobald du bemerkst, dass es sich bei diesem Streit nur um einen vorgeschobenen Grund handelt solltest du diese Person liebevoll darauf ansprechen und ihr entsprechend dieselben fragen stellen, die du dir auch zuvor gestellt hast. Zum Beispiel indem zu fragst: „Geht es dir gerade wirklich nur darum, oder hat deine Aufregung noch einen tieferliegenden Hintergrund“? 

Vermeide persönliche Angriffe jeglicher Art 

Das sollte jeder von uns, wie die „goldene Regel“ betrachten und dementsprechend auch so befolgen. Konstruktives Streiten ist nur möglich, solange dabei niemand verletzt wird. Natürlich werden wir, insbesondere bei solchen Angelegenheiten immer zu einem gewissen Teil auch emotional getrieben. Das bedeutet, dass umso näher wir einer Person stehen, diese auch umso mehr dazu im Stande ist uns auf eine ganz andere Art und Weise zu verletzten, als es das zum Beispiel der Postbote von nebenan tun könnte. Doch insbesondere deswegen sollten wir uns noch mehr zurückhalten und jegliche Beleidigungen und weiterer Respektlosigkeiten vermeiden. Ganz abgesehen davon ist weder das eine noch das andere dabei in irgendeiner Art und Weise hilfreich, wenn es darum geht eine Lösung zu finden. Und das sollte das eigentliche Ziel bei einem jedem Streit sein, und zwar am Ende wieder auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. 

Leider ist es oftmals so, dass die meisten von uns im Eifer des Gefechtes schneller sprechen, als sie denken können und dadurch Dinge Sagen und im schlimmsten Fall auch Dinge tun, die noch Jahre später gravierende Auswirkungen mit sich ziehen. Natürlich ist es in dem Moment äußerst verlockend mit lauter Schimpfworten und unzähligen Hasstiraden um sich zu schmeißen- insbesondere, wenn die andere Person uns zuvor persönlich angegriffen hat. 

Aber genau in diesem Moment solltest innehalten und dich fragen, was du mit deiner folgenden Aussage überhaupt bezwecken willst. Wenn es nichts dazu beiträgt diesen Konflikt aus der Welt zu schaffen, dann solltest du dir diese Aussage umgehends verkneifen und im schlimmsten Fall, wenn es gar nicht anders geht die Situation zunächst verlassen, um dich wieder beruhigen zu können. 

Fokussiere dich auf das Positive 

Wir alle sind uns mit der Situation eines Konfliktes mehr als vertraut und wissen somit, wie unglaublich schwer es doch sein kann in einem solchen Moment das gute in dem uns Gegenüber zu sehen. Aber nichts desto trotz solltest du genau das, dass nächste Mal tun, wenn du wieder in eine solche Situation geraten solltest. Versuche den Menschen vor dir nicht als deinen Gegner, der dir nur alles schlechte auf dieser Welt wünscht zu sehen, sondern versuche dir anstelle dessen vor Augen zu führen, wer dir diese Person gegenüber eigentlich ist und was du alles an dieser Person wertschätz. Vielleicht versuchst du das nächste Mal, falls du dich wieder mit deiner Mutter streiten solltest in ihr nicht den bösen Unmenschen zu sehen, der dir versucht das Leben schwer zu machen, indem sie dir versucht deinen Spaß, oder dein „Glück“ auszureden, sondern die Frau zu sehen, die dir dein Leben geschenkt hat und deswegen alles in ihrer Machtstehende versucht, um dich vor deinem Unglück zu bewahren. Nur eben auf ihre Art und nicht auf die Art und Weise wie du die Dinge eben handhaben würdest.

Führe einen Perspektivwechsel durch 

Das zuvor erläuterte Beispiel kann man auch hier ebenfalls perfekt anwenden. Zwei beteiligte bedeutet auch immer zwei Perspektiven. Somit gibt es entsprechend immer „zwei Wahrheiten“ zumal auch jeder in gewisser Art und Weise in seiner eigenen Welt lebt und dementsprechend auch seine „eigene Wahrheit“ hat. Um also einen Streit zu schlichten bzw. zu einer gemeinsamen Lösung zu finden ist es hilfreich sich die Situation einfach mal aus dem Blickwinkel der Person, welche dir gegenübersteht zu betrachten. 

Wenn wir bei dem Beispiel mit der Mutter bleiben, dann könntest du aus ihrer Sicht zum Beispiel bemerken, dass du ihr ein und alles bist und sie dich vor allem schlechten bewahren möchte. Zudem darfst du auch nicht vernachlässigen, dass jeder Mensch- insbesondere deine Eltern- eine ganz eigene Geschichte, einen ganz anderen Hintergrund haben. Das bedeutet, dass sie eventuell sogar mit denselben Dingen, die auch du schon ausprobiert hast ganz andere Erfahrungen, vielleicht sogar sehr negative Erfahrungen gemacht haben und dich somit davor bewahren wollen, diesen Fehler auch zu begehen. 

Tipp: Versuche mit dem Menschen dir gegenüber etwas nachsichtiger zu sein und dich in ihre Lage zu versetzten. Außerdem wird dir dieser „Rollentausch“ auch sehr behilflich sein, wenn es darum geht dein eigenes Verhalten ebenfalls zu reflektieren und dich somit zu fragen, ob du dich eigentlich immer fair verhalten hast und warum du eigentlich so stark oder generell so reagierst, wie du es nun mal tust. 

Die Konflikte aus der Welt schaffen

Sobald du es schaffst die Perspektive der Person dir gegenüber zumindest etwas nachvollziehen zu können und du zudem auch noch dein eigenes Verhalten und deine eigenen Bedürfnisse reflektiert hast, bist du dazu in der Lage ein offenes und ehrliches Gespräch mit demjenigen zu führen. [4]

Vorausgesetzt natürlich, dass es der anderen Person auch so ergeht und sie sich ebenfalls beruhigt hat und wieder zu sich gekommen ist, sodass sie wieder klar „denken“ kann. 

Während dieses Gespräches solltet ihr euch gegenseitig aussprechen lassen, vor allem und das ist entscheidend: dem anderen sehr gut ZUHÖREN und euch am Schluss gegenseitige Lösungsvorschläge machen, welche möglichst alle Bedürfnisse und Anmerkungen der Betroffenen respektieren.  Nur wenn wirklich alle „mit ins Boot“ geholt werden kann euer Konflikt für alle Beteiligten zufriedenstellend gelöst werden.

Das schönste zum Schluss

Wenn sich alle nach dem Streit erholt, ausgesprochen, und somit wieder versöhnt haben ist es sehr wichtig, dass ihr euch auch beieinander entschuldigt. Der Konflikt ist zwar gelöst, aber trotzdem ist es oftmals so, dass ein Streit für jeden Beteiligten sehr Nervenaufbringend ist und nichts desto trotz die ein oder andere verletzende Aussage gefallen ist. Jeder von uns verhält sich während eines Streites nicht gerade fair und genau deswegen solltest du dich, dem dir gegenüber entschuldigen und der Person somit zeigen, dass du dein unfaires Verhalten erkannt hast und es dir dementsprechend auch leidtut. 

Insbesondere, wenn es sich um einen größeren Familienstreit gehandelt hat, kann ein „Versöhnungsritual“, besonders hilfreich und stärkend zugleich sein, um diesen Streit wieder zu begraben. [4] 

Insbesondere für Kinder kann ein solches Ritual von sehr großer Bedeutung sein. Zum Beispiel mithilfe einer kräftigen Umarmung und einer heißen Tasse Kakao. Oder indem sich die Eltern zu dem Kinde ins Bett kuscheln und noch ein Kapitel aus dem Lieblingsbuch vorlesen. 

Quellen

[1] https://arbeits-abc.de/streit-und-konflikte-im-job-vermeiden/

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Streit

[3] http://www.konfliktkultur.at/downloads/Streiten.pdf

[4] https://magazin.sofatutor.com/eltern/konflikte-loesen-wie-familien-richtig-streiten/

Isabel Valentin

Stress und Leistungsdruck sind der oftmals überambitionierten und jungen Berlinerin Isabel Valentin kein Fremdwort. In dem dynamischen Hauptstadtleben hat sie schnell realisiert, wie wichtig eine ausgeglichene Balance zwischen Alltagsstress und Selbstfürsorge ist, weshalb sie sich im Laufe der Zeit zu einer wahren Calm Down Expertin entwickelt hat.

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