Hilft CBD gegen Angst?

Von einer Angststörung spricht man immer dann, wenn eine Angst unverhältnismäßig stark ist, also in keinem Verhältnis zur Situation steht [1]. Solche Angststörungen sind tatsächlich weit verbreitet. Laut WHO leiden über 4 Millionen Menschen in Deutschland unter ihnen oder anders gesagt: Innerhalb eines Jahres erleiden 15 von 100 Menschen eine Angststörung. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch weitaus höher. Viele dieser Angststörungen treten diffus und ohne objektiven Grund auf: Panikattacken ohne reale Gefahr, generalisierte Angststörungen, unbegründete Sorgen, Angst vor zukünftigen Erkrankungen oder einem Unglück und soziale Phobien (Befürchtungen, auf Ablehnung zu stoßen, Erwartungen nicht erfüllen zu können etc.). 

Es gibt aber auch Angststörungen, die auf erkennbaren Gründen beruhen, wie beispielsweise Klaustrophobie (Angst vor engen Räumen), Agoraphobie (Platzangst) und Akrophobie (Höhenangst). Bei allen Formen der Angststörung können die Betroffenen die Angst nur schwerlich kontrollieren.

Die Ursachen dieser Angststörungen sind vielfältiger Natur und in der Wissenschaft noch umstritten. Psychosoziale, erziehungsbedingte und neurobiologische Faktoren können hierbei ebenso eine Rolle spielen, wie genetische. 

Neurobiologische Aspekte

Die Angststörung spiegelt sich im Gehirn wider, genauer gesagt in einer Überreaktion des Mandelkerns (Amygdala) im limbischen System. Die Amygdala ist dafür da zu entscheiden, ob externe Reize gefährlich oder nützlich für den Körper sind. Bei chronischen Angststörungen vergrößert sie sich. Wissenschaftler vermuten, dass die Angst ihre Ursache in einer veränderten Konzentration der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Gamma-Aminobuttersäure (GABA) hat. Außerdem scheint das vegetative Nervensystem von Angstpatienten leichter erregbar zu sein [1].

Herkömmliche Therapien bei Angststörungen

Zur Therapie der Angststörungen werden konventionell 2 Gruppen von Medikamenten eingesetzt: zum einen Medikamente, die dafür sorgen, dass die Serotonin-/Noradrenalinkonzentration im Gehirn hoch bleibt (selektive Serotonin-/Noradrenalinwiederaufnahmehemmer, SSRI/SNRI) und zum anderen Medikamente, die die Erregbarkeit der Nervenzellen hemmen (Benzodiazepine, Tranquilizer). Das Serotonin wird manchmal als „Glückshormon“ bezeichnet. Wenn seine Konzentration im Gehirn zu niedrig ist, führt dies zu

  • Antriebslosigkeit
  • verstärkter Müdigkeit
  • Reizbarkeit
  • Ängstlichkeit
  • schlechte Laune
  • verstärkte Schmerzwahrnehmung [2]

Die SSRI wirken langsam (nach frühestens 2 Wochen), bekämpfen aber (zumindest teilweise) die biochemischen Ursachen der Angststörungen. Die Benzodiazepine (bekanntestes dieser Mittel ist Valium) wirken eher kurzfristig, aber nur gegen die Symptome. Zudem machen sie auf Dauer abhängig

Cannabidiol (CBD)

CBD ist einer von vielen Inhaltsstoffen der Cannabispflanze (Cannabis sativa, Hanf). Im Gegensatz zu dem wesentlich bekannteren Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol (abgekürzt THC), zeigt CBD keine psychoaktive und berauschende Wirkung. Man kann es legal/frei verkäuflich, z.B. als CBD-Öl, erwerben, solange der THC-Gehalt unter 0,2% liegt. 

Das CBD wirkt u.a. im Gehirn, indem es mit Rezeptoren des körpereigenen Endocannabinoidsystems interagiert (die körpereigenen Cannabinoide bewirken eine Hemmung des Sympathikus – des Alarmsystems des Körpers). Wie dies genau geschieht und was diese Wechselwirkung exakt bewirkt, wird noch erforscht. Nach dem derzeitigen Stand der Forschung scheint CBD u.a. schmerzstillend, entzündungshemmend, krampflösend, beruhigend und angstlösend zu wirken. 

Studien zur Wirkung von CBD

Die Studien zur Wirkung von CBD genügen noch nicht den Anforderungen, die den klinischen Studien bei der Einführung eines neuen Medikaments entsprechen. Hierzu würden man Studien mit mehreren tausend Probanden und im Vergleich zu einem Scheinmedikament benötigen. Da CBD-Öl als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft wird, sind solche klinischen Studien nicht erforderlich. Sie sind aber mehr als wünschenswert, um weitere Erfahrungen über die Wirkung von CBD zu gewinnen. 

Studien an Tieren und Menschen zeigten, dass CBD angstlösend wirkt [S1; S2].

Eine Studie der Vanderbilt University wies 2014 darauf hin, dass Rezeptoren für Cannabinoide die „Kampf oder Flucht Reaktion“ (Sympathikus) regulieren. Im Gehirn von Mäusen wurden dabei Cannabinoidrezeptoren in der Amygdala (Mandelkern) gefunden, einem Teil des limbischen Systems. Dieses System ist an der Verarbeitung von Emotionen und dem Triebverhalten beteiligt.  Außerdem sorgt es für die Ausschüttung von Endorphinen (körpereigene Botenstoffe, die für gute Stimmung, Stressbekämpfung etc. sorgen). Ähnliche Wirkungen zeigen auch die natürlichen Endocannabinoide, die in den Nervenzellen der Amygdala hergestellt werden [3; S3]. 

Eine neuere deutsche Studie von der Universität Leipzig untersuchte die Wirkung von CBD auf Angststörungen. 40 Probanden mit sozialer Phobie wurden in 2 Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe wurde mit CBD behandelt, die andere Gruppe erhielt ein Placebo. Kein Teilnehmer wusste, welches Präparat er erhielt (Doppelblindstudie). Nach 30 Tagen wurden die Angstwerte überprüft. Aus der CBD-Gruppe war ein Teilnehmer ausgeschieden. Bei den verbliebenen Teilnehmern hatten sich die Angstwerte von 17 der 19 Probanden verbessert. Leider war diese Untersuchung nur eine Studienarbeit mit nur wenigen Probanden. Trotzdem liefert sie Anhaltspunkte für die angstlösende Wirkung von CBD [S4].

Unerwünschte Nebenwirkungen

Die unerwünschten Nebenwirkungen des CBDs sind im Vergleich zu konventionellen chemisch-synthetischen Arzneimitteln gering. Zu den vereinzelt auftretenden Nebenwirkungen gehören Schläfrigkeit, Benommenheit, Schwindel oder ein trockenes Mundgefühl. CBD kann, Beobachtungen zufolge, auch den Blutdruck absenken. Aber fast immer entwickelt sich gegenüber diesen Nebenwirkungen innerhalb kürzester Zeit eine Toleranz. Auch sind die Nebenwirkungen vernachlässigbar im Vergleich zu denen der Benzodiazepine und vergleichbarer konventioneller Pharmazeutika.

CBD kann auch die Verstoffwechselung von Arzneimitteln beeinflussen, weil es die Aktivität einiger Leberenzyme hemmt. Daher solltest Du bei der gleichzeitigen Einnahme von Medikamenten und CBD immer Rücksprache mit Deinem Arzt halten. Auch in Schwangerschaft und Stillzeit sollte ein Arzt einen eventuellen CBD-Konsum überwachen [4].

Fazit: Kann CBD gegen Angstzustände helfen?

Es gibt noch nicht genug Studien am Menschen, um die angstlösende Wirkung des CBD exakt zu beweisen. Aber alle bisherigen Studien weisen in diese Richtung. Wenn man die geringen unerwünschten Nebenwirkungen des CBDs im Vergleich zu chemisch-synthetischen Mitteln in Betracht zieht, tut sich hier ein großes Entwicklungspotential auf.

Quellen:

[1] Posmyk, Wiebke, Angststörung: Wenn Angst krank macht, 15.04.2019 in Onmeda, abgerufen am 21.08.2020 von https://www.onmeda.de/krankheiten/angststoerung.html

[2] Machetanz, Lena, Serotoninmangel, 07.12.2017 in netdoktor, abgerufen am 21.08.2020 von https://www.netdoktor.de/laborwerte/serotonin/serotoninmangel/

[3] Herbers, Kelsey, Study sheds light on link between cannabis, anxiety and stress, 15.01.2020 in VUMC Reporter, abgerufen am 21.08.2020 von https://news.vumc.org/2020/01/15/study-sheds-light-on-link-between-cannabis-anxiety-and-stress/

[4] Nebenwirkungen von CBD, 09.12.2017 in Cannabis Öl, abgerufen am 21.08.2020 von https://cannabis-oel.net/cannabisol-nebenwirkungen/

Relevante Studien:

[S1] Crippa, Jose Alexandre S et.al., Neural basis of anxiolytic effects of cannabidiol (CBD) in generalized social anxiety disorder: a preliminary report, Januar 2011 in J Psychopharmacol;25(1):121-30, abgerufen am 21.08.2020 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20829306/

[S2] Blessing, Esther M. et.al., Cannabidiol as a Potential Treatment for Anxiety Disorders, Oktober 2015 in Neurotherapeutics;12(4):825-36, abgerufen am 21.08.2020 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26341731/

[S3] Schier, Alexandre R. de Mello et.al., Antidepressant-like and anxiolytic-like effects of cannabidiol: a chemical compound of Cannabis sativa, 2014 in CNS Neurol Disord Drug Targets;13(6):953-60, abgerufen am 21.08.2020 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24923339/

[S4] Decker, Jona, CBD Studie zu Angstzuständen von Studenten der Universität Leipzig, Juni 2019 in CBDBro, abgerufen am 21.08.2020 von https://cbdbro.ch/cbd-studie-2019/ und https://www.cbd-anxiety-study.com/wp-content/uploads/2019/06/cbd-studie.pdf


CBD Zeitgeist Team

Wir sind das CBD Zeitgeist Team - Wir sind CBD Enthusiasten, die regelmäßig die USA besuchen und vom CBD-Hype angesteckt wurden. Wir möchten Licht in das aktuelle Dunkel bringen und Deutschland wertvolles Wissen rund um das Cannabidiol bieten. Wir bieten Dir alle Informationen aus verschiedensten Bereichen, die du für dich und deine Umwelt benötigst und beweisen dir, was du alles mit CBD anstellen kannst.

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