Cannabis und Chorea Huntington: Der neueste Stand

Chorea Huntington ist eine schwere genetische Erbkrankheit die das Gehirn betrifft und mit vielen zahlreichen Symptomen, wie Bewegungsstörungen und psychischen Beschwerden einhergeht. Leider gibt es bis dato keine wirksamen Behandlungsmöglichkeiten, sodass die Wissenschaft ihre Aufmerksamkeit nun auf Cannabinoide legt. Kann CBD die Symptome der Huntington-Krankheit lindern?

Was ist die Huntington Krankheit?

Die Huntington-Krankheit, auch unter dem Namen Chorea-Huntington bekannt, ist eine seltene progressive Erkrankung des Gehirns. Schätzungsweise sind in Nordamerika und im westlichen Europa sieben bis zehn von 100.000 Menschen betroffen. In Deutschland geht man von ungefähr 8.000 Erkrankten aus. Sie wird durch unkontrollierte Muskelbewegungen, dem Kontrollverlust über die eigenen Emotionen und dem sukzessiven Abbau von kognitiven Fähigkeiten.  

Die Ursache von Chorea-Huntington

Unsere DNS besteht aus vier Nukleinsäuren (Adenin, Thymin, Guanin, Cytosin). Die Kombinationen aus den vier Säuretypen bilden die gesamte Erbinformation, welche in Form von fäden ähnlichen Strukturen in den sogenannten Chromosomen gespeichert ist. 

Wer von Chorea Huntington betroffen ist, hat ein verändertes Gen auf dem Chromosom vier. 1993 wurde identifiziert, dass die Erkrankung durch die Mutation des Gens HTT ausgelöst wird. Dieses Gen verschlüsselt eine Protein namens Huntingtin. Wissenschaftler sind sich noch im unklaren darüber, welche Funktion das Protein genau erfüllt, allerdings ist bewiesen, dass durch die Mutation sich die Struktur des Proteins verändert, was zum Absterben von Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Gehirns führt.

Es handelt sich hierbei um ein ähnlichen Prozess, wie bei der Alzheimer Erkrankung, jedoch ist ein anderes Protein namens TAU betroffen. 

Da das Gen nicht geschlechtsgebunden vererbt wird, kann die Erkrankung sowohl Frauen als auch Männer treffen. Menschen die diese Genveränderung vorweisen geben sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an ihre Kinder weiter. Haben beide Elternteile die Genmutation liegt die Wahrscheinlichkeit mindestens bei 75 Prozent. 

Sehr selten kommt es vor, dass jemand Huntington entwickelt, ohne dass auch nur ein Elternteil daran erkrankt ist, durch sogenannte Neumutationen. 

Die Mutation des HTT-Gens 

Bei einem gesunden Menschen wiederholen sich in diesem Bereich auf dem Chromosom vier die Proteine Cytosin, Adenin und Guanin 10 bis 30 mal. Bei mehr als 36 Wiederholungen (CAG-Repeats) bricht Chorea Huntington aus. 30 und 35 Adenin-Guanin Wiederholungen gelten als Graubereich. Die Anzahl der Wiederholungen ist wichtig, da der Arzt anhand ihnen die Krankheit diagnostiziert.

Da das Gen durch die Fortpflanzung über Generationen weitergeben wird, nimmt die Anzahl der CAG-Repeats in der nächsten Generation oft zu. Je mehr Wiederholungen gezählt werden, desto früher bricht die Huntington-Erkrankung aus und umso schneller schreitet die Erkrankung voran.

Der Nervenverlust betrifft die Hirnrinde und vor allem die sogenannten Basalganglien. Diese großen Nervenzelle Verbände befinden sich im inneren der beiden Gehirnhälften und sind unter anderem für den koordinierten Ablauf von Bewegungen zuständig. 

Wann setzen die ersten Symptome ein?

Chorea-Huntington kann in jedem Lebensalter ausbrechen, liegt die beschriebene Genveränderung vor. Wann sich die ersten Chorea-Symptome zeigen hängt davon ab, wo genau die krankheitsauslösende Veränderung im Erbgut liegt. Es gibt zwei typische Verlaufsformen der Krankheit:

Huntington im Erwachsenen Alter

Bei dieser Form bricht die Krankheit erst im Erwachsenenalter aus und zeigt sich normalerweise im Alter zwischen 30 und 45 Jahren. Alle Menschen die dieses Huntington Gen aufweisen, tragen dies von Geburt an sich, allerdings zeigen sich bei dieser Form problematische Symptome erst im späteren Alter.

Juvenile-Huntington Erkrankung 

Im Gegensatz dazu bricht die Juvenile-Huntington Krankheit bereits in der Kindheit oder während der Pubertät aus. 

Sie beginnt mit emotionalen Veränderungen, Ungeschicklichkeit, undeutliche Sprache und eine verschlechterung der Schulleistung. Bei 3-50% der Fälle kommt es auch zu Krampfanfällen. Im Vergleich zu der Huntington-Erkrankung im Erwachsenen Alter schreitet diese Form deutlich schneller voran. 

Symptome der Huntington-Erkrankung 

Die meisten Symptome der Chorea Huntington Krankheit sind das unmittelbare Ergebnis vom Absterben der Neuronen im Gehirn. Durch das mutierte Gen, entstehen vermehrt Proteinablagerungen, wodurch die Nervenzellen in ihrer Funktion gestört werden.

Symptome im Anfangsstadium:

  • Leichte/unwillkürliche Bewegungen
  • Schlechte Koordinationsfähigkeiten 
  • Reizbarkeit
  • Depressionen
  • Schwierigkeiten beim Verarbeiten neuer Informationen oder beim Treffen von Entscheidungen

Symptome im fortgeschrittenen Stadium:

  • Schwierigkeiten beim Bewegen/Laufen
  • Schwierigkeiten beim sprechen
  • Abbau der kognitiven Fähigkeiten
  • Desorientiertheit 

CBD & Chorea Huntington

In den letzten zwei Jahrzehnte konnte die Wissenschaft kaum Fortschritte bei der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten verzeichnen. Doch sie ist immerhin so weit fortgeschritten, dass sie die Huntington-Krankheit mittlerweile mittels eines Gentests diagnostizieren kann.

Cannabis hat ein hohes Potenzial um als therapeutischen Wirkstoff eingesetzt zu werden, durch seine Fähigkeit das Nervensystem zu regulieren. Doch erst in den letzten zehn Jahren haben Forscher angefangen sich die Cannabispflanze anzusehen, um eine neue Behandlungsweise für die Krankheit zu finden. CBD wird bereits bei ähnlichen pathologischen Prozessen wie multipler Sklerose oder Alzheimer eingesetzt.

Wie funktioniert CBD?

In den 1980er Jahren entdeckten Wissenschaftler das sogenannte Endocannabinoid-System. Es ist teil unseres Nervensystems und zentrale Bestandteile sind die CB1 und CB2 Rezeptoren. 

Die CB1 Rezeptoren kommen hochkonzentriert im Gehirn und im Rückenmark vor, während man die CB2 Rezeptoren hauptsächlich auf den Lymph-und Immunzellen findet. 

Man fand heraus, dass die hohe CB1 Konzentration besonder sin Hirnregionen vorliegen, die für die Bewegungssteuerung (Basalganglien)und Informationsverarbeitung (Hippocampus) verantwortlich ist. Diese Rezeptoren spielen also eine sehr bedeutende Rolle für die für kognitive Funktionen sowie Gedächtnisbildung wie für Motivation. 

Die Aktivierung der Cannabinoid-Rezeptoren erfolgt über Endocannabinoide. 

Das macht das Endocannabinoid-System zu einem der wichtigsten Regulatoren des Nervensystems.

Das Potenzial von CBD bei Chorea Huntington 

CBD ist für die Huntington Erkrankung besonders interessant, da es nicht nur eine bestimmte Richtung stimuliert, sondern das gesamte Nervensystem unterstützt und als ganzes unterstützt.

Eine Untersuchung an Mäusen mit Huntington hat gezeigt, dass diese eine geringere CB1 Aktivität und dafür eine erhöhte CB2 Aktivität aufweisen. Forscher vermuten demnach, dass der Körper diese erhöht um der Krankheit entgegenzuwirken und die Nerven vor dem Absterben der Zellen zu bewahren. 

CBD hilft den Huntington-Patienten, indem es das Endocannabinoide System unterstützt, auf die auftretenden Krankheitssymptome zu reagieren sowie diese zu regulieren. Viele Betroffene, die an Chorea Huntington erkrankt sind, leiden häufig unter schweren Depressionen. Hier könnte Cannabis tatsächlich als medizinischer Zweck, unter ärztlicher Beaufsichtigung, eingesetzt werden. Denn Cannabis wird bereits seit Jahrhunderten bei Depressionen eingesetzt und mittlerweile können eine vielzahl an Studien belegen, dass Cannabis hier hilfreich ist.

Die aktuelle Studienlage von CBD und Chorea Huntington

Leider steht die Forschung zu CBD und dieser Krankheit erst am Anfang. Bis jetzt gibt es lediglich klinische Studien dazu, die die Beziehung von CBD und der Huntington-Erkrankung untersucht haben. Experten meinen hier liege aber der falsche Fokus.

Um die richtigen großen und teuren Studien durchführen lassen zu können, muss erst einmal anhand von Zellkulturen und Tieren bewiesen werden, dass CBD Öl bei Chorea Huntington helfen kann. Im nächsten Schritt werden dann kleine Studien an Menschen durchgeführt werden, bevor man mit weitreichenden klinischen Studien fortfährt. 

Es wurden bereits einige Studien mit Tieren durchgeführt. Einige haben bewiesen, dass CBD und THC den Krankheitsverlauf bei Ratten mit Huntington verlangsamen konnte. [1]

Auch gibt es eine Hand voll Fallstudien über Huntington Betroffene, die CBD und synthetisches THC konsumieren. Es wurde von außergewöhnlichen Verbesserungen der Krankheitssymptome berichtet. Die Patienten litten nicht mehr so stark unter den ungewollten Bewegungen und Sprachschwierigkeiten. [2]

So geht es weiter…

Durch die Fähigkeit von CBD sowohl bei der neurologischen als auch in die Immunfunktion unterstützend einzugreifen, hat es optimale Voraussetzungen für zukünftige Behandlungsmethoden von Chorea Huntington. 

Es wird immer häufiger belegt, dass CBD den Verlauf der Krankheit verzögern kann, aber es sind weitere Forschungen nötig, um zu verstehen inwieweit CBD den Menschen mit der Diagnose helfen kann. 

Quellen

[1] Sagredo, O., Pazos, M. R., Satta, V., Ramos, J. A., Pertwee, R. G., & Fernández‐Ruiz, J. (2011). Neuroprotective effects of phytocannabinoid‐based medicines in experimental models of Huntington’s disease. Journal of neuroscience research, 89(9), 1509-1518.

[2] Bates, G., Tabrizi, S., & Jones, L. (Eds.). (2014). Huntington’s disease (No. 64). Oxford University Press, USA.

Net Doctor: Chorea Huntington  https://www.netdoktor.de/krankheiten/chorea-huntington/ 01-06-2020

Daily CBD: CBD und Huntington – Aktuelle Forschung & Erkenntnisse https://dailycbd.com/de/beschwerden/huntington-krankheit/ 01-06-2020

Leafy: Chorea Huntington – Lassen sich Symptome und Verlauf mit Cannabis beeinflussen? https://www.leafly.de/chorea-huntington 02-06-2020

drug.com: Endocannabinoide-System https://www.drugcom.de/drogenlexikon/buchstabe-e/endocannabinoid-system/ 02-06-2020

CBD Zeitgeist Team

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