Nano-CBD: Eine hilfreiche Innovation?

Der Begriff “Nano” deutet immer auf einer besonders kleine, synthetisch erzeugte Form eines Moleküls hin. Der Vorteil daran ist, dass kleinere Moleküle die Barrieren des Körpers (wie z.B. die Haut) besser durchdringen können. Sie sind daher häufig besser bioverfügbar. Im Bereich der Kosmetik, wo Nano-Wirkstoffe ebenfalls eine große Bedeutung haben, bleibt die Unsicherheit, was mit den Nano-Stoffen im Körper passiert. Nun gibt es auch Nano-CBD. Welche Vorteile können wir davon erwarten?

Warum Nano-Technologie?

Die Zellen unseres Körpers können im Allgemeinen nur Teilchen mit von 60 bis 80 Nanometern aufnehmen. Cannabinoid-Partikel sind etwa 2000 Nanometer groß, also für die Zellen zu groß. Die Partikel müssen also erst verdaut (zerkleinert) werden, ehe sie überhaupt in den Blutkreislauf gelangen können. Dieser Prozess ist mit Verlusten verbunden. Letztendlich nehmen wir nur ein Bruchteil der ursprünglichen Dosis in die Zellen auf. Außerdem dauert es eine Weile, bis unser Organismus das CBD-Produkt verarbeitet hat. Die Wirkung lässt also auf sich warten.

Bioverfügbarkeit von CBD

CBD hat einen weiteren Nachteil: Es ist nicht nur groß, sondern auch lipophil, mischt sich also eher mit Fetten, als mit Wasser. Im Körper herrscht aber ein wässriges Milieu. Dadurch ist CBD schlecht bioverfügbar, durchdringt also die körpereigenen Barrieren nur zu einem geringen Teil. Die Bioverfügbarkeit ist ein Maß dafür, wie schnell und effektiv ein von außen zugegebener Stoff die Blutbahn erreicht, um eine messbare Wirkung zu erzielen. Sie ist u.a. abhängig von der Aufnahmeart: CBD-Tropfen, die über die Mundschleimhaut einwirken, haben beispielsweise eine Bioverfügbarkeit von vier bis 20% [S1]. Bei 100 mg CBD erreichen also maximal 20 mg den Blutkreislauf. Beim Vapen wird dagegen eine Bioverfügbarkeit von 34-46% erreicht wird [1; 2; S2]. 

Was ist Nano-CBD

Natürlich bleibt auch der CBD-Industrie nicht erspart, innovative Wege zu gehen, um neue, bessere, wirksamere CBD-Produkte herzustellen. Umso mehr das Interesse an CBD wächst, um zu größer wird auch der Marktdruck der Händler. Wie auch in der Medizin, bei Biomaterialien, Robotik und Kosmetik, soll die CBD-Nanotechnologie dem CBD besondere Eigenschaften verleihen. Sie schrumpft quasi das CBD auf eine Größe von einem bis 100 Nanometer, also bis zu einem Millionsten des ursprünglichen Moleküls. Dadurch soll die Bioverfügbarkeit bzw. Konzentration von CBD im Blutkreislauf erhöht werden und das Molekül in die Lage geraten, die Blut-Hirn-Schranke zu passieren [3]. 

Bei den Nano-Partikeln werden Cannabinoide in sogenannte “nanostrukturierte” Lipidträger (NLCs) eingekapselt. Das sind kleine Kapseln, die aus körpereigenen, biologisch abbaubaren Fettmaterialien bestehen. Dieser gängiger Weg in der Medizin und Kosmetik erhöht die Absorption des Wirkstoffs am Gewebe. Dadurch ist auch die Konzentration des aufgenommenen CBDs im Blut höher und die Wirkung des Stoffes effizienter. Dass das funktioniert, konnte eine Studie von 2018 beweisen, bei der die Bioverfügbarkeit von Sativex mit der von CBD-/THC-Nanoemulsion verglichen wurde [S3]. 

Nano-Partikel in der Hautpflege

Es gibt aber auch Methoden, die die CBD-Partikel ohne Zusatz von Emulgatoren in nanogroße Tröpfchen reduzieren. In Bezug auf die Hautpflege wird dadurch sichergestellt, dass das CBD auch dorthin kommt, wo es wirken soll. Im Allgemeinen können Wirkstoffe nur dann Veränderungen an der Haut vornehmen, wenn sie in den subkutanen Bereich oder zumindest tiefere Hautschichten eindringen. Ganz wichtig ist das beispielsweise, wenn Entzündungen oder schmerzhafte Prozesse in der Haut behandelt werden sollen.

Die Vorteile von Nano-CBD gegenüber normalem Cannabidiol

Ein Großteil der relativ großen und fettlöslichen CBD-Moleküle baut der Körper unverwertet ab, nur ein geringer gelangt tatsächlich als aktiver Wirkstoff ins Blut. Das kostet Zeit und Einbußen in der Wirksamkeit. Nano-Partikel wirken dagegen wie eine gelöste Substanz, weil sie bereits in winzige Tropfen zerlegt sind. Die Tröpfchen bilden eine vergleichsweise größere Oberflächenverbindung mit dem Gewebe der Verdauungsorgane, als herkömmliches CBD. Dadurch können sie besser absorbiert werden [S4]. Die Vorteile von Nano-CBD gegenüber normalem CBD sind daher: 

  • einen schneller Aufnahme ins Blut: CBD-Öl braucht 15 bis 30 Minuten bis zum Wirkeintritt, Nano-CBD etwa zwei bis vier Minuten
  • einer höheren Bioverfügbarkeit (nahe an der intravenösen Verabreichung) 
  • eine höhere physische Stabilität der Partikel
  • einer stärkeren Wirkung: Die Verkapselung von CBD zu Nano-Partikeln birgt die Möglichkeit, ein effektives Schmerzmittel für diejenigen zu bieten, die auf konventionelle Medizin nicht ansprechen [2].

Eine Studie von 2018 konnte zeigen, dass Nano Formen von CBD im Vergleich zu herkömmlichen Formen eine sogar um 131% erhöhte Bioverfügbarkeit aufweisen [S3].

Gibt es auch Nachteile von Nano CBD?

Bedeutsam für den Erfolg eines therapeutischen Mittels ist einerseits die Wirksamkeit, andererseits aber auch die Sicherheit. Auch das wirksamste Mittel ist nicht für den Markt geeignet, wenn nicht seine Sicherheit für den Anwender gewährleistet ist. Das bedeutet: Der Nutzen muss das Risiko immer überwiegen. Die Gefahr bei Nano-Partikeln ist immer, dass man nicht genau weiss, wie sie sich im Körper verhalten. Sie müssen also besonders gut erforscht werden. Partikel unterhalb einer gewissen Größe können beispielsweise in die Zellen eindringen und sich in Geweben und Organen ansammeln, auch in solchen, auf die sie eigentlich nicht abzielen. Das macht z.B. den Gebrauch von Sonnenschutzmitteln so heikel, die mit Nano-Filtern als UV-Schutz arbeiten. Es besteht die Möglichkeit, dass die Partikel zu Entzündungen und Gewebeschäden führen. Bei schwangeren Frauen könnten sie beispielsweise über die Plazenta in das ungeborene Kind gelangen.

Auch darf nicht vergessen werden: Umso kleiner die Partikel werden, umso mehr können sie Eigenschaften entwickeln, die sich von denen des ursprünglichen Wirkstoffes unterscheiden. Das ergibt ein größeres Potenzial für Nebenwirkungen. Alle bisherigen Daten zu CBD-Nano-Partikeln fußen zumeist auf in vitro Versuchen an isolierten Zellen. Wie sie sich in einem menschlichen Körper verhalten, ist noch weitestgehend unerforscht.

Auch wenn Nanoemulsionen beispielsweise zu einer stärkeren und schnelleren Schmerz-, Angst-, Entzündungslinderung beitragen, so ist doch die Rückkehr zum Ausgangszustand bei nachlassender Wirkung für den Anwender schlimmer [5]. Bevor die Forschung nicht zu eindeutigen Ergebnissen kommt, sollte man also mit derartigen Produkte vorsichtig umgehen [4]. 

Quellen: 

[1] Cooke, Justin, CBD-Nanotechnologie – Pseudowissenschaft oder Innovation?, in Dayly CBD: CBD Wissenschaft, abgerufen am 27.05.2020 von https://dailycbd.com/de/cbd-nanotechnologie-pseudowissenschaft-oder-innovation/

[2] Wasserlösliches CBD und Nanoemulsionen, in Hanf-Extrakte: Magazin, abgerufen am 29.05.2020 von https://www.hanf-extrakte.com/wasserloesliches-cbd-und-nanoemulsionen/

[3] Mortenson, Ted, Nano CBD Products, Cannabisanimus, abgerufen am 04.09.2020 von https://cannabisanimus.com/nano-cbd-products/

[4] Hiatt, Erin, WTF is Nano CBD? We asked some experts., 27.02.2020 in weedmaps, abgerufen am 04.09.2020 von https://weedmaps.com/news/2020/02/wtf-is-nano-cbd-we-asked-some-experts/

[5] Was ist Nanoemulsion und wie beeinflusst sie CBD?, 14.03.2020 in royalqueenseeds, abgerufen am 04.09.2020 von https://www.royalqueenseeds.de/blog-was-ist-nanoemulsion-und-wie-beeinflusst-sie-cbd-n1279#ext_res-3

Relevante Studien: 

[S1] Huestis, Marilyn A., Human Cannabinoid Pharmacokinetics, August 2007 in Chem Biodivers.; 4(8): 1770–1804, abgerufen am 27.05.2020 von https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2689518/

[S2] Paudel, Kalpana S. et. al., Cannabidiol Bioavailability After Nasal and Transdermal Application: Effect of Permeation Enhancers, September 2010 in Drug Dev Ind Pharm; 36(9):1088-97, abgerufen am 27.05.2020 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20545522/

[S3] Atsmon, Jacob et. al., PTL401, a New Formulation Based on Pro-Nano Dispersion Technology, Improves Oral Cannabinoids Bioavailability in Healthy Volunteers, Mai 2018 in J Pharm Sci.;107(5):1423-1429, abgerufen am 29.05.2020 von https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29287930/ 

[S4] Nakano, Y. et. al., Development of a Novel Nano­emulsion Formulation to Improve Intestinal Absorption of Cannabidiol, 2019 in Med Cannabis Cannabinoids;2:35–42, abgerufen am 04.09.2020 von https://www.karger.com/Article/FullText/497361

CBD Zeitgeist Team

Wir sind das CBD Zeitgeist Team - Wir sind CBD Enthusiasten, die regelmäßig die USA besuchen und vom CBD-Hype angesteckt wurden. Wir möchten Licht in das aktuelle Dunkel bringen und Deutschland wertvolles Wissen rund um das Cannabidiol bieten. Wir bieten Dir alle Informationen aus verschiedensten Bereichen, die du für dich und deine Umwelt benötigst und beweisen dir, was du alles mit CBD anstellen kannst.

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