Brauchen Hunde Vollspektrumöl mit Terpenen?

Dass Hunde gut mit CBD zu behandeln sind, ist für die Besitzer eine tolle neue Innovation. Hunde haben ein Endocannabinoidsystem, wie der Mensch und außergewöhnlich viele CBD-Rezeptoren. Die Anwendungsmöglichkeiten von CBD beim Hund erscheinen unendlich. Das reicht von Arthritis, über Epilepsie, Hautprobleme, Verdauungsschwierigkeiten, bis hin zu Trennungsängsten und Phobien. CBD ist dazu noch rein pflanzlich, also in aller Regel gut verträglich. Das passt! Bei der Auswahl eines guten CBD-Produktes wird es aber schon schwieriger. Der Markt ist voller Angebote, bei denen es schwerfällt, sich zu entscheiden. Experten raten für Menschen zu Vollspektrumölen aufgrund des Entourage-Effektes durch die Terpene. Doch wie ist das beim Hund? Gelten da die gleichen Empfehlungen, wie beim Menschen?

Was sind Terpene?

Ein Vollspektrumöl beinhaltet verschiedene Terpene, für deren positive Effekte es inzwischen wissenschaftliche Belege gibt. Terpene oder Terpenoide sind die Aromen der Pflanzen, die ihnen ihren Duft und Geschmack verleihen. Die verschiedenen Hanfsorten Sorten werden auf bestimmte Terpenprofile gezüchtet. So entstehen Geschmacksrichtungen und spezielle Effekte der Pflanzen. Die Terpene gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und bilden u.a. Hormone, Säuren und Vitamine [1]. 

Der Entourage-Effekt

In Vollspektrumölen sind die gesamten Stoffe der Hanfpflanze enthalten. Es ist nicht nur voller Terpene, sondern beinhaltet auch Flavonoide und über 100 weitere Cannabinoide, wie CBC (entzündungshemmend), CBCa (fungizid) und CBN, CBDa, CBG (schlafverbessernd) und CBGa (schmerzlindernd) [6]. Der Körper kann beispielsweise in Anwesenheit von CBDa doppelt so viel CBD aufnehmen. Dazu verstärken sich Terpene und CBD gegenseitig (Entourage-Effekt). Entsprechend stärker ist die Wirkung eines Vollspektrumöls im Vergleich zu einem Extrakt/Isolat. Es wird davon ausgegangen, dass der Komplex aus Cannabinoiden und Terpenen das Endocannabinoidsystem besser aktivieren kann. 

Das Terpen Carophyllen bindet beispielsweise direkt an den CB2-Rezeptor, über den auch das CBD seine Wirkung entfaltet. Limonen verstärkt die angstlösende Wirkung des CBDs, Myrcen die schmerzlindernde [3; S1]. Von den Terpenen weiss man, dass sie auch an andere Rezeptoren im Körper andocken, wie z.B. an denen der Nerven. So können sie beispielsweise Entzündungen reduzieren und die Bildung von Neurotransmittern (Serotonin, Dopamin) beeinflussen [2]. 

Die Terpene im Hanf

Hanfpflanzen enthalten etwa 200 verschiedene Terpene in den Harzdrüsen der Blüten, dort also, wo sich auch die Cannabinoide befinden. Die Cannabinoide entstehen aus den Terpenen, so dass eine terpenreiche Pflanze zugleich einen hohen Cannabinoidgehalt hat und umgekehrt [4]. 

In der Hanfpflanze findest Du u.a. die Terpene:

  • Caryophyllen – entzündungshemmend
  • Cineol – antibakteriell, atmungserleichternd, schleimlösend
  • Linalool – krebshemmend, antidepressiv
  • Limonen – stimmungsaufhellend, magenschützend, angstlösend
  • Myrcen – schlaffördernd, entzündungshemmend, entspannend, entgiftend
  • Pinen – entzündungshemmend, aufmerksamkeitsfördernd, erleichtert die Atmung, krebshemmend
  • Terpinen – muskelentspannend, beeinflusst die Nervenaktivität [4; 8]. 

Terpene für den Hund

Es gibt Hersteller, die konsequent auf die Terpene in ihren Hanfprodukten für den Hund verzichten. Tiere, wie auch der Hund, sind in ihrem Geschmacks- und Geruchssinn wesentlich empfindlicher als der Mensch. Nicht umsonst nutzen Pflanzen die Terpene auch zur Abschreckung von Fressfeinden. Daher ist nicht auszuschließen, dass Hunde viel empfindlicher auf die Terpene reagieren, als der Mensch. Davon abgesehen kann der Geschmack für Hunde sehr unangenehm sein [7]. Schon beim Menschen können Terpene die Schleimhäute reizen und Allergien verursachen, auch wenn derartige Konzentrationen i.d.R. bei Hanfölen nicht erreicht werden [8]. 

Andererseits ist die Verwertbarkeit von CBD-Öl bei Hunden reduziert (lediglich 13 bis 19%), da Hunde die meisten Wirkstoffe bereits in der Leber aufgespalten werden (First-Pass-Effekt). So könnten die Terpene die Wirksamkeit des CBDs erhöhen, insbesondere, weil die CBD-Produkte für Hunde niedriger dosiert sind. Die Behörden stufen Terpene als sicher für den Menschen ein [8]. Wie das für den Hund aussieht, wird allerdings kontrovers diskutiert. 

Letztendlich wird vermutet, dass Hunde kleinste Konzentrationen von Terpenen gut verarbeiten können. Das entspräche der Tatsache, dass Hunde auch in der Natur mit Terpenen in Kontakt kommen, ohne diese jedoch in größeren Mengen aufzunehmen. Da entsprechende Studien jedoch noch ausstehen, solltest Du ausschließlich spezielle Produkte für den Hund kaufen oder Deinen Tierarzt nach einem idealen Produkt fragen. 

Vorsicht bei THC

Natürlich enthalten Vollspektrumöle auch THC. THC kann der Stoffwechsel Deines Hundes jedoch nicht abbauen, es wirkt giftig. Achte deshalb besonders darauf, dass Dein Produkt maximal 0,2 Prozent THC enthält. Frage den Hersteller nach einem Analysezertifikat Deines Produktes. Dann kannst Du auch gleich sichergehen, dass es frei von unnötigen Zusatzstoffen ist. Kann er keins vorweisen, solltest Du Dich nach einem anderen Produkt für Deinen Hund umsehen. 

Achtung bei Katzen

Was für den Hund gilt, gilt nicht gleichzeitig auch für die Katze. Sie vertragen keine Vollspektrumöle, weil sie die Terpene definitiv nicht verstoffwechseln können. Ihnen fehlen die notwendigen Enzyme dazu. Dadurch sammeln sich die Stoffe in der Leber an und können zu dauerhaften, teils schwerwiegenden Schäden und sogar zum Tod führen [5].

Erfahrungsberichte

Nichts überzeugt so sehr, wie ein Erfahrungsbericht von Personen, die in derselben Lage sind, wie man selbst. Wer daran interessiert ist, findet im Internet zahlreiche Foren zum Austausch, wie beispielsweise CBD für Hunde. Unter https://www.facebook.com/groups/1875755872714021 bieten auch wir eine Selbsthilfegruppe zum regen Austausch an. 

Quellen: 

[1] Dr. Lautenschläger, Hans, Duftstoffe, Vitamine und Hormone – das ABC der Terpene, Dermaviduals, abgerufen am 19.11.2020 von https://www.dermaviduals.de/deutsch/publikationen/spezielle-wirkstoffe/duftstoffe-vitamine-und-hormone-das-abc-der-terpene.html

[2] Bisabolol: Ein nützliches Kamille-Terpen, das auch in Cannabis vorkommt, 16.06.2019 in Royal Queen Seeds, abgerufen am 17.11.2020 von https://www.royalqueenseeds.de/blog-bisabolol-ein-nutzliches-kamille-terpen-das-auch-in-cannabis-vorkommt-n1206

[3] Riedewald, Gesa, Terpene und ihre medizinischen Eigenschaften, 03.12.2019 in Leafly, das Wissensportal um Cannabis als Medizin, abgerufen am 19.11.2020 von https://www.leafly.de/terpene-medizinischen-eigenschaften/

[4] Was sind Cannabis-Terpene und wie kann man sie medizinisch einsetzen?, 14.01.2020 in Sensiseeds, abgerufen am 19.11.2020 von https://sensiseeds.com/de/blog/was-sind-cannabis-terpene-und-wie-kann-man-sie-medizinisch-einsetzen/

[5] Welche Vorteile bietet ein Vollspektrumöl?, in CBD nature, abgerufen am 19.11.2020 von https://cbd-nature.com/welche-vorteile-bietet-ein-vollspektrum-oel?___store=de

[6] Auerswald, Martin, Was ist der Unterschied zwischen einem Vollspektrum-CBD-Öl und einem CBD-Isolat? in CBD Öle, abgerufen am 19.11.2020 von https://cbdoele.org/cbd-oel-vollspektrum/

[7] Deshalb verwendet Cibapet keine Terpene, 07.08.2018 in Cibapet: Blog, abgerufen am 20.11.2020 von https://www.cibapet.com/de/blog/647-deshalb-verwendet-cibapet-keine-terpene

[8] CBD Öl für Hunde und andere Haustiere, 19.03.2019 in Fivebloom: Blog, abgerufen am 20.11.2020 von https://fivebloom.de/blogs/cbd-news/cbd-fuer-haustiere

Relevante Studien:  

[S1] Aberti, Thais Barbosa et. al., (−)-β-Caryophyllene, a CB2 Receptor-Selective Phytocannabinoid, Suppresses Motor Paralysis and Neuroinflammation in a Murine Model of Multiple Sclerosis,, April 2017 in Int J Mol Sci.; 18(4): 691, abgerufen am 19.11.2020 von https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5412277/

Dr. Martina Schafmayer

Dr. Martina Schafmayer, geb. Wedekind ist anerkannte Tierärztin und Hundezüchterin und -führerin. Martina hat in Hannover studiert und promoviert. Sie hat sich nur kurz der Forschung gewidmet, bevor sie ihr Interesse für die Praxis entdeckte. Martina kommt aus einem Jäger- und Hundehaushalt und ist mit Hunden groß geworden. Ihre Leidenschaft gehört den Tieren und ihr unermüdlicher Einsatz für unsere vierbeinigen Freunde beschäftigt sie oft bis spät in die Nacht. Zusammen mit ihrem Mann Cornelius Schafmayer, dem Inhaber der Jagdwelt Garlstorf und W.O. Dittmann , hat sie drei Kinder und wohnt in der schönen Lüneburger Heide mit ihren Hunden. Ihr Deutsch-Kurzhaar Deckrüde Jimbo vom Weserland ist ein hochdekorierter Rüde mit makelloser Prüfungslaufbahn. V1 Rüde auf der Dr. Kleemann Zuchtausleseprüfung.

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